Molo Audace, Triest



Wie ein Finger ragt der Molo Audace ins Meer und lädt zu einem Spaziergang über die massiven alten Steine bis ganz hinaus ein, wo ein weißer Poller mit einer Windrose steht, welche die Windrichtungen angibt, die Triest beherrschen. Mit ihr beginnt das Reisebuch „Triest – Stadt der Winde“, mit dem Veit Heinichen und Stargastronomin Ami Scabar zur Erkundung der Stadt einladen und dabei alle Sinne ansprechen: Triest. Stadt der Winde.

Von der Mole hat man einen wunderbaren Blick auf die Stadtsilhouette Triests, den Karst und den gesamten Küstenverlauf im Nordwesten, näher daran ist das riesige denkmalgeschützte Areal des Porto Vecchio, dem alten Hafen mit seinen sich in Renovierung befindenden Speichergebäuden. Wer im richtigen Moment dort draußen steht, kann die türkischen Fährlinien einlaufen sehen, die Triest und Istanbul täglich miteinander verbinden, oder gar ein Kreuzfahrtschiff. Der Deich vor der Mole hingegen beherbergt eine schöne Badeanstalt, wo man mitten in der Stadt in der Adria baden kann und die im Roman „Keine Frage des Geschmacks“ eine verräterische Rolle spielt.


aus dem Buch Tod auf der Warteliste
Sie gingen ganz hinaus bis zum Ende des Molo Audace, wo eine Messingplatte die Namen und Richtungen der Winde, die über die Stadt fegten, anzeigte: Scirocco, Libeccio, Greco – Bora. Kein Vigile machte sich je die Mühe, so weit hinauszugehen – hier war das Hundeparadies, und Spaziergänger taten gut daran, aufzupassen, wohin sie traten. Cluzot lief gutgelaunt kreuz und quer über die großen Pflastersteine und hob unablässig das Bein. Laurenti setzte sich auf einen der schweren Poller, an dem früher die großen Schiffe festgemacht hatten, und starrte in den Nebel. Zwei einsame Ruderer zogen im Zweier mit kräftigen harmonischen Schlägen vorbei und verschwanden hinter dem Deich, der vor dem alten Hafen liegt.

Mia war auf den Molo Audace gegangen und hatte sich auf eine der Treppen, die zum Wasser führten, gesetzt, um den Sonnenuntergang zu genießen. Ein alter Herr mit einem ziemlich wild aussehenden schwarzen Hund hatte sie angesprochen und von der Pracht der Natur um Triest herum ge- schwärmt. Das Meer und der Karst, die Naturgewalten, die die Stadt beherrschten – sie hatte den Eindruck, daß er sehr in diesen Ort verliebt war. Doch lehnte er ihre Unterstellung empört ab.


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