Costiera, Triest



Die Strada Statale 14, von den Triestinern “Costiera” genannt, wurde erst im Jahr 1928 eingeweiht. Sie ist die repräsentative Zufahrt zur Stadt und führt hoch über dem Meer die Steilküste entlang, um dann sanft in Richtung Triest abzufallen. Das “Life magazin” zählte sie einst zu den schönsten Küstenstraßen der Welt. Es lohnt, an einem der Aussichtsplätze Halt zu machen und das Panaroma zu genießen. Auch im Leben von Commissario Laurenti spielt sie eine wichtige Rolle, nachdem die Familie aus der Via Lazzaretto Vecchio im Zentrum hier heraus gezogen ist. Leider kann er den Strand unterhalb des Hauses nicht so oft in Ruhe genießen, wie er will, denn meistens ist er von seiner Frau Laura mit ihren Freundinnen belegt. Nur frühmorgens ist er alleine dort und schwimmt stets weit hinaus. Oft genug nimmt er zum fischen eine Harpune mit. Im Roman “Gib jedem seinen eigenen Tod“ werden illegale Flüchtlinge dort angelandet und auch die verlassene Yacht eines dubiosen Geschäftsmannes dort gefunden. Hier gibt es einen der ältesten FKK-Strände Italiens, an den die Ordnungskräfte in früheren Zeiten nur mit Mühe und viel Kletterei kamen. Laurentis langjährige Assistentin Marietta verbringt dort den ganzen Sommer über.

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aus dem Buch Tod auf der Warteliste
Viele Nachbarn hatten sie nicht, die wenigen Häuser, die hier standen, waren fast ausschließlich Sommerresidenzen. Ein steiler, verwunschener Weg führte durch die Weinberge, über die Eisenbahn hin- weg, am alten Bahnhof »Santa Croce di Trieste« vorbei und dann noch steiler hinauf in ein Dorf von fünfzehnhundert Seelen. Zweihundert Höhenmeter waren zu bewältigen, und Ungeübte gerieten rasch außer Atem. Aber der Ausblick reichte im Westen bis weit über den Campanile von Aquileia und die Lagune von Grado hinaus, und im Südosten tanztebei klarer Sicht der Dom von Pirano über dem Meer, und die Punta Salvore, der nordwestlichste Punkt der istrischen Halbinsel, schien zum Greifen nah. Der Blick schweifte vom Schloß von Duino bis hin zu Schloß Miramare und die dahinterliegende Stadt.

aus dem Buch Tod auf der Warteliste
Durch das Fenster nach Osten schaute er auf die Weinberge seiner Nachbarn, die dort die alten einheimischen Rebsorten Vitovska, Malvasia und Glera anbauten. Und auf die Bahnlinie, die weiter oben verlief. Das andere Fenster öffnete den Blick nach Süden über das Meer. Hier konnte er stundenlang sitzen, egal, ob er über seinen Unterlagen brütete, las oder einfach nur Musik hörte und nachdachte.

Das Haus an der Küste, das sie vor einem guten Jahr von dem alten Gerichtsmediziner Galvano übernommen hatten, war voll belegt. Alle drei Kinder hatten beschlossen, die Sommermonate hier zu verbringen, zusammen mit ihren »Fidanzati«, den Freundinnen und Freunden. Selbst Laurenti hatte sich inzwischen daran gewöhnt, daß er ihnen keine Vorschriften mehr machen konnte und vor allem akzeptieren mußte, daß sie ihr eigenes Leben führten – ohne ihn.

Mit Schnorchel und Flossen kam er schnell voran. Das Was- ser in diesem Mai war dank der brütenden Hitze, die sich seit Wochen übers Land gelegt hatte, deutlich wärmer als im Vorjahr. Dennoch hatte er den schwarzen Neoprenanzug angelegt, dann wie üblich das Halteband der kleinen Harpune übergestreift und ein Messer an der Wade festgemacht, mit dem er Muscheln losbrach oder Seeigel aufschnitt, die er für sein Leben gern roh verzehrte. Im Osten über der Stadt hatte der anbrechende Tag bereits über die Finsternis gesiegt, als er die Treppe zum Meer hinunterstieg und kurz darauf am kleinen Anleger ins Wasser glitt. Seit er an der Küste lebte und regelmäßig schwimmen ging, während alle anderen noch schliefen, war er endlich wieder in Form.


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